Elektrobusse

 

 

 

Elektrobusse durch den Bergpark Wilhelmshöhe?

 

Im Januar 2010 hat die Stadt Kassel ein sogenanntes "Gesamterschließungskonzept für den Bergpark Wilhelmshöhe" vorgelegt. Das Konzept wurde von der Planungsgemeinschaft Landschaft und Freiraum (alias PLF) angefertigt. In diesem Konzept wird auf Seite 42 vorgeschlagen, den Bergpark Wilhelmshöhe mit kleinen Elektrobussen zu erschließen.

 

Aber wie realistisch ist dieser Vorschlag? 

 

Auf einer Urlaubsreise habe ich mir im Juli 2013 den Betrieb mit Akku-Obussen im ersten Bezirk von Wien angesehen. Mein vorläufiger Eindruck war durchaus positiv. Man hat dort am Schwarzenbergplatz am Rande der Innenstadt einen kurzen Abzweig von einer Straßenbahnfahrleitung gebaut. An diesem Abzweig können die Akku-Obusse anhalten, ihren Stromabnehmer unter die Fahrleitung drücken und sodann ihre Akkus aufladen.

 

Im Bild zu sehen ist einer dieser kleinen Akku-Obusse am Schwarzenbergplatz in Wien. Oben links im Bild ist der Abzweig von der Straßenbahn-Fahrleitung zu erkennen. Die Stromzufuhr kommt von einem Oberleitungsmast, der sich etwas links vom Fotografen befindet.

 

Die Akku-Obusse haben einen Stromabnehmer, wie er ähnlich bei Straßenbahnen verwendet wird. Da bei Obussen der elektrische Minuskontakt nicht über die Straßenbahnschienen zurückgeleitet wird, muss über dem Fahrzeug ein zweiter Fahrdraht verlegt werden. Die Stromabnehmer der Akku-Obusse sind daher in der Mitte isoliert, so dass die rechte Hälfte der Schleifleiste elektrisch von der linken Hälfte der Schleifleiste getrennt ist. Ich konnte beobachten, dass das Anlegen des Stromabnehmers zum Nachladen der Akkus gut funktioniert.

 

Der Nachladevorgang geschieht nur, solange die Fahrzeuge stehen und dauert bei der beobachteten Buslinie 2a etwa 15 Minuten. Das Fahrzeug ist danach etwa 25 Minuten bis zum nächsten Nachladevorgang unterwegs und verbraucht dabei nur 5% der Akku-Kapazität. Diese 5% werden bei der nächsten Pause am Schwarzenbergplatz wieder nachgefüllt. In der flachen Innenstadt von Wien könnten die Busse rein rechnerisch also auch mehrere Stunden ohne Nachladevorgang unterwegs sein.

 

Zum Bild: Bei den Wiener Akku-Obussen handelt es sich um moderne Niederflurfahrzeuge. Über dem Fahrzeug sind zwei Fahrdrähte zu erkennen. Die Stromabnahme auf dem Fahrzeugdach ist so konstruiert, dass Plus und Minus gleichzeitig von nur einem Bügel abgegriffen werden können.

 

Die Fahrt durch die Wiener Innenstadt mit dem Akku-Obus fand ich durchaus eindrucksvoll. Die Fahrzeuge sind sauber, leise, sehr wendig und haben ein gutes Beschleunigungsvermögen. Gelegentlich werden Pferdekutschen (Fiaker) überholt. Auf ein paar hundert Metern wird auch eine Straßenbahntrasse mitgenutzt. Die kleinen Akku-Obusse können hier sogar das Tempo der Straßenbahn mithalten. Mir wurde gesagt, es seien inzwischen etwa 20 Akku-Obusse im Einsatz. Das alles klingt gut.

 

Der Pferdefuß kommt jedoch: Ich fand einen Fahrer, der über seine Erfahrungen mit den Akku-Obussen sprach. Er sagte, dass der Akku sofort leer sei, wenn er mit dem Elektrobus eine Steigung bewältigen müsse. In der Wiener Innenstadt gäbe es jedoch fast keine Steigungen. Hier könne man den Bus tatsächlich gut verwenden.

 

Diese Erfahrung des Wiener Busfahrers ist jedoch nicht in das sogenannte "Gesamterschließungskonzept zum Bergpark Wilhelmshöhe" eingeflossen. Vielleicht konnte solche Erfahrung im Jahr 2010 auch noch nicht in das Gesamterschließungskonzept mit einfließen, weil sie nicht vorlag. Dennoch muss diese Erfahrung heute als ein zentraler Kritikpunkt am "Gesamterschließungskonzept zum Bergpark Wilhelmshöhe" vorgebracht werden. Die Speicherung von erheblichen Mengen an Strom ist nach wie vor ein Problem der Elektromobilität. In Kassel müssen aus heutiger Sicht einige Planer im Jahr 2010 entweder andere Erkenntnisse gehabt haben oder den Bergpark Wilhelmshöhe für einen großen, flachen Garten gehalten haben, in dem nur wenig Strom zur Beförderung der Fahrgäste benötigt wird. Man muss sich wundern.

 

Wenn man aber wirklich mit Bussen durch den Bergpark Wilhemshöhe fahren will, dann muss man entweder Verbrennungsmotoren (Diesel/Benzin/Gas) zum Einsatz bringen oder mitten durch das Park-Ambiente eine elektrische Fahrleitung bauen.

 

Ob das dem Welterbekomitee gefällt?

 

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